Die Klassisch-Barocke Reitweise

Klassisch-Barocke Reitweise ist Ausdruck eines Reitsystems, das über längere Zeiträume bewährte Prinzipien der Pferdeausbildung zusammenfasst und in seiner verfeinerten Ausprägung mit einem künstlerischen Anspruch verbunden ist.

Reiter und Pferd sollen ins körperliche und geistig-seelische Gleichgewicht gebracht werden, damit eine harmonische Zusammenarbeit entstehen kann. Die Wiederbelebung dieses Gedankens findet sich in der Reiterei des 17. und 18. Jahrhunderts in der grundlegenden Erneuerung durch Francois Robichon de la Gueriniere, Reitlehrer am Hof König Ludwig des XV. von Frankreich.

Die von Gueriniere entwickelten Lehren, die der beschriebenen Auffassung des klassischen Altertums entsprechen, sind deshalb der Mittelpunkt der klassischen Reiterei in ihrer barocken Form. Dazu gehört insbesondere die Pflege und Ausbildung gerader derjenigen Elemente, die in der Barockreiterei begründet wurden, jedoch von der heutigen, seitens der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) definierten Dressur nicht übernommen worden sind.

Damit soll der Bedeutung des Pferdes als Bindeglied des Menschen zur Natur und Kultur in unserer durch die Technik geprägten Zeit in besonderem Masse Rechnung getragen werden - zum Wohle des Pferdes und als Bereicherung des Lebens für viele Menschen.

 

 

 

Grundsätze der Klassisch-Barocken Reitweise

Wichtige Grundsätze der Reitkunst sind die freiwillige Mitarbeit des Pferdes und ein Muskeltraining, das das Pferd in die Lage versetzt, das Gewicht des Reiters in allen Lektionen ohne Schaden an Leib und Seele ein Leben lang tragen zu können.

Hierzu wird der Schwung des Pferdes – seine muskuläre Fähigkeit zur Bewegung – gefördert und die Gewichtsverteilung durch Absenkung der Kruppe (Hankenbeugung) und Aufrichtung des Halses mehr auf die Hinterbeine verlegt. Die Reiter werden angehalten, stets über ihren Umgang mit dem Pferd nachzudenken und an sich selbst zu arbeiten; Fehler werden erst beim Reiter und nicht beim Pferd gesucht.

Im Unterschied zur Gebrauchs-Militärreiterei (jedoch wieder in Übereinstimmung mit der aus dieser abgeleiteten Turnierreiterei nach den Richtlinien der FN) wird großer Wert auf feine Einwirkung, eine weichstmögliche, stets zum Nachgeben bereite Hand („Pfötchen, nicht Pfote“ nach Egon von Neindorff) und unsichtbare Hilfengebung aus dem korrekten Sitz heraus gelegt.